
Die Wahrheit über ’schlechte‘ Inhaltsstoffe: Es geht nicht darum, was drin ist, sondern wie viel – und wo es in der Liste steht.
- Die Position eines Inhaltsstoffes auf der INCI-Liste verrät seine Konzentration und damit seine tatsächliche Relevanz für Ihre Haut.
- Zertifikate und „Bio“-Aufdrucke sind keine Garantie für Verträglichkeit; das Verständnis der eigenen Hautbarriere ist entscheidend.
- Ein hoher Preis bedeutet nicht automatisch bessere Wirkung. Die Investition lohnt sich bei Wirkstoff-Seren, nicht bei der Basisreinigung.
Empfehlung: Entwickeln Sie eine minimalistische Routine, die Ihre Hautbarriere stärkt, anstatt einzelne Inhaltsstoffe zu jagen. Weniger ist oft mehr.
Sie stehen im Gang bei DM oder Bipa, halten eine vielversprechende Creme in der Hand und drehen sie um. Eine Wand aus unverständlichen Begriffen starrt Ihnen entgegen: die INCI-Liste. Sofort schiessen Ihnen die Warnungen aus Magazinen und Blogs durch den Kopf: Parabene, Silikone, Sulfate! Aber welche waren noch mal die „schlechten“? Und was bedeutet dieses „PEG-40 Hydrogenated Castor Oil“ wirklich? Dieser Moment der Überforderung ist vielen gesundheitsbewussten Konsumenten in Österreich nur allzu bekannt. Man will das Richtige für seine Haut tun, fühlt sich aber im Dschungel der Inhaltsstoffe verloren und den Marketingversprechen der Industrie ausgeliefert.
Die gängigen Ratschläge sind oft wenig hilfreich. Listen mit zu meidenden Stoffen sind schwer zu merken und berücksichtigen nicht den Kontext. Apps können eine erste Hilfe sein, aber sie fördern kein echtes Verständnis. Und blind auf „Bio“- oder „Naturkosmetik“-Siegel zu vertrauen, kann bei empfindlicher Haut nach hinten losgehen. Aber was wäre, wenn der Schlüssel nicht im Auswendiglernen von „Feind-Listen“ liegt, sondern im Verstehen der Logik hinter der Rezeptur? Wenn die Position eines Stoffes auf der INCI-Liste wichtiger ist als seine reine Anwesenheit und die Konzentration den entscheidenden Unterschied macht?
Dieser Leitfaden verfolgt einen analytischen Ansatz. Als Ihr persönlicher „Kosmetik-Chemiker auf Zeit“ zeige ich Ihnen, wie Sie mit einfachen, logischen Prinzipien die Spreu vom Weizen trennen. Wir werden nicht nur lernen, kritische Stoffe zu identifizieren, sondern auch zu bewerten, wann sie wirklich ein Problem darstellen. Sie werden verstehen, warum eine teure Creme nicht immer besser ist, wie Sie gezielt in Wirkstoffe investieren und wie Sie eine Routine aufbauen, die Ihre Hautbarriere schützt, anstatt sie zu belasten – alles mit einem klaren Fokus auf den österreichischen Markt und seine Besonderheiten.
Um Ihnen eine klare und strukturierte Orientierung zu bieten, ist dieser Artikel in logische Abschnitte unterteilt. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir gemeinsam analysieren werden, um Sie zu einem mündigen und selbstsicheren Kosmetik-Anwender zu machen.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser durch den Kosmetik-Dschungel
- Warum Parabene in Ihrer Tagescreme langfristig das Hormonsystem stören können?
- Wie entschlüsseln Sie die INCI-Liste im Drogeriemarkt in unter 2 Minuten?
- Zertifizierte Naturkosmetik oder Apotheken-Marken: Was hilft besser bei sensibler Haut?
- Die „Bio“-Lüge auf der Verpackung, auf die 60% der Käufer hereinfallen
- Wann Sie Ihre Routine umstellen müssen: 3 Warnsignale Ihrer Haut
- Lohnt sich eine 80 € Creme wirklich mehr als das Drogerie-Produkt für 10 €?
- Wie bauen Sie eine Pflegeroutine auf, die Ihre Hautbarriere stärkt statt sie zu überfordern?
- Wie schützen Sie Ihren Teint bei trockener Heizungsluft und Kälte im Winter?
Warum Parabene in Ihrer Tagescreme langfristig das Hormonsystem stören können?
Parabene gehören zu den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Inhaltsstoffen in der Kosmetik. Ihre Hauptfunktion ist die Konservierung: Sie verhindern das Wachstum von Bakterien und Pilzen und machen Produkte so länger haltbar. Die Sorge vieler Konsumenten rührt von Studien her, die nahelegen, dass Parabene eine östrogenähnliche Wirkung haben und potenziell das Hormonsystem beeinflussen können. Doch hier ist eine analytische Betrachtung entscheidend. Nicht alle Parabene sind gleich, und die Konzentration spielt eine wesentliche Rolle. Eine aktuelle Untersuchung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA fand zwar in einigen Produkten bedenkliche Stoffe, doch der Grossteil des Marktes ist regulierungskonform.
Aus chemischer Sicht ist die Kettenlänge des Parabens von Bedeutung. Kurzkettige Parabene wie Methyl- und Ethylparaben werden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Konzentrationen bis 0,4 % als sicher eingestuft. Langkettige Varianten wie Butyl- und Propylparaben sind hormonell aktiver. Seit 2015 sind diese deshalb in nicht abwaschbaren Produkten für Kinder unter drei Jahren (z.B. Windelcremes) verboten – ein klares Signal, dass der Kontext der Anwendung entscheidend ist. Ein Duschgel, das sofort wieder abgewaschen wird, ist anders zu bewerten als eine Körperlotion, die über eine grosse Hautfläche einzieht und stundenlang auf der Haut verbleibt.
Statt also in Panik zu verfallen, sobald „Paraben“ auf der INCI-Liste auftaucht, hilft eine differenzierte Bewertung. Prüfen Sie, um welche Art von Paraben es sich handelt und wo es in der Liste steht. Steht es weit hinten, ist die Konzentration gering. Handelt es sich um ein Produkt mit kurzer Kontaktzeit, ist das Risiko ebenfalls minimiert. Dieses Kontext-Bewertungsprinzip ist der erste Schritt weg von pauschalen Urteilen hin zu einer fundierten Entscheidung.
Wie entschlüsseln Sie die INCI-Liste im Drogeriemarkt in unter 2 Minuten?
Die INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) ist gesetzlich vorgeschrieben und Ihr wichtigstes Werkzeug. Ihr Aufbau folgt einer klaren Regel: Die Inhaltsstoffe sind in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration gelistet. Alles, was über 1 % ausmacht, muss in der korrekten Reihenfolge stehen. Stoffe unter 1 % können in beliebiger Reihenfolge am Ende aufgeführt werden. Das allein ist schon eine entscheidende Information: Die ersten fünf bis sieben Inhaltsstoffe bilden in der Regel das Grundgerüst des Produkts. Steht ein beworbener „Wunder-Wirkstoff“ erst an zwanzigster Stelle, ist seine Konzentration verschwindend gering.

Für eine schnelle Bewertung im Geschäft hat sich die „Wiener Ampel-Methode“ bewährt:
- Grün (die ersten 5-7 Zutaten): Konzentrieren Sie sich auf diese. Sind hier pflegende Öle, Glycerin oder Wasser (Aqua) zu finden? Oder sehen Sie hier schon Alkohol (Alcohol denat.) oder aggressive Tenside (z.B. Sodium Laureth Sulfate)? Das verrät die wahre Natur des Produkts.
- Gelb (die Mitte der Liste): Hier finden sich oft Duftstoffe (Parfum), Konservierungsmittel und Hilfsstoffe. Wenn Sie bekannte Allergien haben, ist hier der Ort, um wachsam zu sein.
- Rot (das letzte Drittel / unter 1 %): Hier stehen oft Farbstoffe (erkennbar an CI-Nummern) und viele Wirkstoffe in geringer Konzentration. Kritische Stoffe wie Butylparaben sind hier weniger bedenklich als am Anfang der Liste.
Um diesen Prozess zu vereinfachen, bieten Apps wie CodeCheck oder die vom BUND Naturschutz entwickelte ToxFox-App eine schnelle Orientierung. Durch Scannen des Barcodes erhalten Sie eine Einschätzung zu bedenklichen Stoffen. Diese Tools sind nützliche Helfer, ersetzen aber nicht das eigene Verständnis. Die Ampel-Methode hingegen schult Ihren analytischen Blick und macht Sie langfristig unabhängig.
| Kategorie | INCI-Bezeichnung | Bewertung |
|---|---|---|
| Unbedenklich | Aqua, Glycerin | Grün – Basis vieler Produkte |
| Bedingt bedenklich | Parfum, Alcohol denat. | Gelb – Bei empfindlicher Haut meiden |
| Kritisch zu sehen | Butylparaben, PEG-Verbindungen | Rot – Hormonelle Wirkung möglich |
| Natürlich | Tocopherol (Vitamin E) | Grün – Antioxidative Wirkung |
Zertifizierte Naturkosmetik oder Apotheken-Marken: Was hilft besser bei sensibler Haut?
Viele Konsumenten mit sensibler Haut greifen instinktiv zu zertifizierter Naturkosmetik, da sie diese mit „sanft“ und „gesund“ assoziieren. Apotheken-Marken (Dermokosmetik) hingegen werden oft als „chemisch“, aber wissenschaftlich fundiert wahrgenommen. Beide Annahmen sind verkürzt und potenziell irreführend. Die entscheidende Frage ist nicht „Natur oder Labor?“, sondern „Was tut meine Hautbarriere gut?“. Naturkosmetik ist nicht per se besser verträglich. Viele natürliche Substanzen haben ein hohes allergenes Potenzial.
Naturkosmetik ist nicht automatisch verträglicher. Natürliche Inhaltsstoffe wie ätherische Öle oder Pflanzenextrakte können empfindliche Haut sogar reizen oder Allergien auslösen.
– Corporel.de Kosmetik-Experten, Naturkosmetik erklärt: Was steckt wirklich dahinter
Ätherische Öle, die oft für den Duft eingesetzt werden, oder bestimmte Pflanzenextrakte wie Arnika können bei empfindlicher Haut zu Reizungen führen. Auf der anderen Seite werden in konventioneller oder Dermokosmetik oft Konservierungsstoffe eingesetzt, die ebenfalls problematisch sein können. Ironischerweise zeigen Studien, dass Ersatzstoffe für die vielgeschmähten Parabene oft problematischer sind. So hat laut Bundesinstitut für Risikobewertung der Konservierungsstoff Methylisothiazolinon ein 5-mal höheres Allergiepotential als Parabene.
Für empfindliche Haut liegt die Lösung oft in der Mitte: reizarme Formulierungen. Das bedeutet:
- Verzicht auf Duftstoffe: Sowohl synthetisches „Parfum“ als auch natürliche ätherische Öle sollten gemieden werden.
- Wenig Alkohol: „Alcohol denat.“ an vorderer Stelle der INCI-Liste trocknet die Haut aus.
- Gezielte Wirkstoffe: Inhaltsstoffe wie Ceramide, Niacinamid oder Hyaluronsäure, die nachweislich die Hautbarriere stärken, sind sowohl in Naturkosmetik als auch in Dermokosmetik zu finden.
Der Fokus sollte also nicht auf der Marketing-Kategorie, sondern auf der individuellen INCI-Liste liegen. Eine gut formulierte Apotheken-Creme ohne Duftstoffe kann für sensible Haut weitaus besser sein als eine „Bio“-Creme voller reizender Pflanzenextrakte.
Die „Bio“-Lüge auf der Verpackung, auf die 60% der Käufer hereinfallen
Begriffe wie „natürlich“, „pflanzlich“ oder „mit Bio-Extrakten“ auf einer Verpackung suggerieren Reinheit und Unbedenklichkeit. Doch im Gegensatz zum Lebensmittelbereich sind diese Bezeichnungen in der Kosmetik rechtlich nicht geschützt. Ein Produkt kann mit „Bio-Aloe Vera“ werben, selbst wenn nur 0,1 % davon enthalten sind und der Rest aus synthetischen Füllstoffen, Silikonen und kritischen Konservierungsmitteln besteht. Diese Praxis wird als Greenwashing bezeichnet und ist ein weit verbreitetes Problem, dem auch in Österreich viele Konsumenten zum Opfer fallen. Grüne Verpackungen und Bilder von Blättern und Blüten sollen eine Natürlichkeit vortäuschen, die die INCI-Liste oft nicht hergibt.
Fallbeispiel: VKI Greenwashing-Check
Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat seit 2021 eine entscheidende Rolle im Kampf gegen irreführende Werbung eingenommen. Mit über 30 durchgeführten Greenwashing-Checks wurden zahlreiche falsche Versprechen in der Kosmetikbranche aufgedeckt. Die Arbeit des VKI, die 2024 ausgezeichnet wurde und zu wegweisenden Gerichtsurteilen führte, zeigt eindrücklich, wie verbreitet das Problem ist und wie wichtig eine kritische Prüfung durch unabhängige Stellen und mündige Verbraucher ist.
Um nicht auf Greenwashing hereinzufallen, ist ein systematischer Check notwendig. Verlassen Sie sich nicht auf Werbeslogans, sondern werden Sie zum Detektiv. Die einzige verlässliche Orientierung bieten anerkannte, unabhängige Naturkosmetik-Siegel.
Ihre Checkliste gegen Greenwashing in 5 Schritten
- Offizielle Siegel prüfen: Suchen Sie nach strengen, unabhängigen Siegeln wie NaTrue, COSMOS oder BDIH. Diese garantieren, dass ein hoher Prozentsatz der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs ist und kritische Substanzen verboten sind.
- Position des Wirkstoffs checken: Wo steht der beworbene „Bio-Apfel-Extrakt“ in der INCI-Liste? Steht er weit hinten, ist die Konzentration und damit die Wirkung vernachlässigbar.
- Vage Begriffe hinterfragen: Begriffe wie „naturnah“, „pflanzlich inspiriert“ oder „reine Rezeptur“ sind rechtlich bedeutungslose Marketing-Floskeln und kein Qualitätsmerkmal.
- Verpackung ignorieren: Lassen Sie sich nicht von einer grünen Flasche oder einem Blatt-Logo täuschen. Nur die INCI-Liste und offizielle Siegel zählen.
- Unabhängige Tests konsultieren: Nutzen Sie die Ressourcen von Organisationen wie dem VKI in Österreich, um sich über bekannte Greenwashing-Fälle zu informieren.

Wann Sie Ihre Routine umstellen müssen: 3 Warnsignale Ihrer Haut
Manchmal ist nicht ein einzelner „schlechter“ Inhaltsstoff das Problem, sondern die gesamte Pflegeroutine. Eine Überforderung der Haut durch zu viele Produkte, zu aggressive Reinigung oder zu häufige Peelings kann die Hautbarriere schwächen. Eine gestörte Barriere kann Feuchtigkeit nicht mehr halten und ist anfälliger für Reizungen, Rötungen und Unreinheiten. Offizielle Daten des IKW zeigen, dass echte Unverträglichkeiten selten sind: Trotz über 3 Milliarden jährlich verkaufter Produkte gibt es nur 1,3 Unverträglichkeiten pro 1 Million verkaufter Einheiten. Viel häufiger ist eine selbst herbeigeführte Überreizung.
Ihre Haut sendet oft subtile Signale, lange bevor es zu einem handfesten Ausschlag kommt. Achten Sie auf diese drei Warnsignale:
- Spannungsgefühl nach der Reinigung: Wenn Ihre Haut nach dem Waschen spannt oder sich „quietschsauber“ anfühlt, ist das kein Zeichen von Reinheit, sondern ein Alarmsignal. Ihre Reinigung ist wahrscheinlich zu aggressiv und hat der Haut wichtige Lipide entzogen. Dies ist der erste Schritt zu einer geschädigten Barriere.
- Produkte „rollen sich ab“ oder ziehen nicht ein: Wenn Ihre Creme oder Ihr Make-up auf der Haut kleine Röllchen bildet, kann das ein Zeichen dafür sein, dass die Hautoberfläche bereits mit zu vielen filmbildenden Stoffen (wie Silikonen aus vorherigen Schritten) gesättigt ist oder die Hornschicht verdickt ist und keine weiteren Produkte aufnehmen kann.
- Plötzliche Empfindlichkeit und fahler Teint: Ihre Haut, die sonst robust war, reagiert plötzlich auf Produkte, die sie immer vertragen hat? Sie wirkt grau und müde, obwohl Sie genug schlafen? Dies deutet oft auf eine chronische, unterschwellige Reizung und eine geschwächte Barriere hin, die nicht mehr richtig regenerieren kann.
Wenn Sie eines dieser Signale bemerken, ist es Zeit für eine „Pflege-Diät“. Reduzieren Sie Ihre Routine auf das absolute Minimum: eine sanfte Reinigung, eine beruhigende Feuchtigkeitscreme und Sonnenschutz. Geben Sie Ihrer Haut einige Wochen Zeit, sich zu erholen und ihre Barrierefunktion wiederherzustellen, bevor Sie langsam wieder einzelne Produkte (wie Seren) einführen.
Lohnt sich eine 80 € Creme wirklich mehr als das Drogerie-Produkt für 10 €?
Die Preisspanne bei Kosmetikprodukten ist enorm und oft verwirrend. Ist eine Luxuscreme für 80 € wirklich achtmal wirksamer als das Produkt aus dem Drogeriemarkt? Die Antwort ist ein klares: Es kommt darauf an. Ein hoher Preis ist kein automatischer Garant für Qualität oder Wirksamkeit. Oftmals bezahlen Kunden für teures Marketing, aufwendige Verpackungen und den Markennamen, nicht zwangsläufig für eine überlegene Formulierung. So stellte beispielsweise die Stiftung Warentest in einem Test von Anti-Falten-Cremes fest, dass keines der getesteten Produkte, egal ob teuer oder günstig, Falten sichtbar reduzieren konnte.
Aus chemischer Sicht liegt der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage in der Produktkategorie und der Wirkstoffkonzentration. Nicht bei jedem Produkt lohnt sich eine hohe Investition. Eine analytische Herangehensweise hilft, das Budget clever einzusetzen:
| Produktkategorie | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Reinigung | Sparen möglich | Ein Reinigungsprodukt ist nur kurz auf der Haut. Milde Basis-Tenside, die in allen Preisklassen verfügbar sind, erfüllen ihren Zweck. Teure Wirkstoffe werden ohnehin abgewaschen. |
| Serum mit Wirkstoffen | Investition lohnt sich | Seren sind darauf ausgelegt, hochkonzentrierte Wirkstoffe (wie Vitamin C, Retinol, Hyaluronsäure) in die Haut zu schleusen. Hier rechtfertigen eine höhere Konzentration, eine bessere Formulierung und stabile Moleküle oft einen höheren Preis. |
| Basispflege (Feuchtigkeitscreme) | Mittelpreisig ausreichend | Eine gute, reizarme Feuchtigkeitscreme, die die Hautbarriere mit Ceramiden oder Glycerin stärkt, ist in allen Preissegmenten zu finden. Hier geht es um eine solide, nicht unbedingt um eine luxuriöse Formulierung. |
| Sonnenschutz | Qualität vor Preis | Hier ist die Priorität ein hoher, breitbandiger UV-Schutz mit einer angenehmen Textur, die man gerne täglich verwendet. Ob dieser aus der Drogerie oder Apotheke kommt, ist zweitrangig, solange die Schutzleistung stimmt. |
Die Quintessenz ist die Wirkstoff-Logik: Investieren Sie Ihr Geld dort, wo Wirkstoffe eine echte Chance haben, etwas zu bewirken – also in Produkten, die lange auf der Haut verbleiben und hochkonzentriert sind. Bei einer einfachen Reinigung oder einer Basispflege reicht oft ein solides, günstiges Produkt aus dem österreichischen Drogeriemarkt völlig aus.
Wie bauen Sie eine Pflegeroutine auf, die Ihre Hautbarriere stärkt statt sie zu überfordern?
Eine gesunde, widerstandsfähige Haut ist das Ergebnis einer konsequenten und minimalistischen Pflegeroutine, die auf die Stärkung der Hautbarriere abzielt, anstatt sie mit einer Flut von Wirkstoffen zu bombardieren. Der Grundsatz „Viel hilft viel“ ist in der modernen Hautpflege einer der grössten Irrtümer. Jedes neue Produkt birgt ein potenzielles Reizrisiko und kann das empfindliche Gleichgewicht der Haut stören. Der Fokus sollte auf wenigen, aber gut formulierten Produkten liegen, die synergetisch zusammenwirken.
Die Dosis macht das Gift – und das gilt besonders für Wirkstoffe in der Hautpflege. Weniger ist oft mehr, wenn es um den Erhalt einer gesunden Hautbarriere geht.
– Dr. Steffen Schubert, haut.de Expertenrat
Ein effektiver Ansatz, der sich besonders für das oft wechselhafte Klima in Österreich eignet, ist die „Wiener Minimalismus-Routine“. Sie basiert auf drei fundamentalen Säulen: Reinigung, Pflege und Schutz.
- Schritt 1 – Sanfte Reinigung: Der Zweck der Reinigung ist es, Schmutz, Make-up und überschüssigen Talg zu entfernen, ohne der Haut ihre natürlichen Fette (Lipide) zu rauben. Aggressive Sulfate (z.B. Sodium Laureth Sulfate) sollten gemieden werden. Greifen Sie stattdessen zu milden Zuckertensiden (wie Coco-Glucoside oder Decyl Glucoside), die in vielen Reinigungslotionen oder -milchen bei DM, Bipa und in Apotheken zu finden sind.
- Schritt 2 – Gezielte Pflege: Nach der Reinigung folgt die Stärkung der Hautbarriere. Eine Feuchtigkeitscreme mit Inhaltsstoffen wie Ceramiden, Glycerin und Niacinamid ist ideal. Ceramide sind hauteigene Lipide, die die „Ziegelsteine“ der Hautbarriere zusammenhalten. Ein Serum mit einem spezifischen Wirkstoff (z.B. Vitamin C am Morgen, Retinol am Abend) kann bei Bedarf VOR der Creme aufgetragen werden – aber beginnen Sie mit nur einem Wirkstoff.
- Schritt 3 – Konsequenter Schutz: Der tägliche Sonnenschutz ist der wichtigste Einzelschritt, um Hautalterung und -schäden vorzubeugen. Dies gilt auch im Winter, besonders in den österreichischen Bergen, wo der Schnee die UV-Strahlung stark reflektiert. Ein Breitbandschutz (UVA und UVB) mit LSF 30 oder 50 ist unerlässlich. Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid sind oft besser für empfindliche Haut verträglich.
Diese Drei-Schritt-Routine ist die Basis. Sie kann an spezifische Bedürfnisse angepasst werden, aber sie stellt sicher, dass die Grundfunktionen der Haut – Schutz und Feuchtigkeitshaushalt – optimal unterstützt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Konzentration vor Präsenz: Die Position eines Inhaltsstoffs in der INCI-Liste ist wichtiger als seine blosse Anwesenheit. Konzentrieren Sie sich auf die ersten 5-7 Zutaten.
- Hautbarriere ist alles: Bewerten Sie Produkte danach, ob sie Ihre Hautbarriere stärken (z.B. mit Ceramiden) oder schwächen (z.B. mit aggressivem Alkohol, Duftstoffen).
- Siegel kritisch prüfen: Verlassen Sie sich nicht auf vage „Bio“-Versprechen. Nur unabhängige, strenge Siegel (z.B. NaTrue, COSMOS) bieten eine echte Garantie.
Wie schützen Sie Ihren Teint bei trockener Heizungsluft und Kälte im Winter?
Der Winter in Österreich stellt die Haut vor besondere Herausforderungen. Draussen greifen Kälte und Wind die Hautbarriere an, drinnen entzieht die trockene Heizungsluft ihr Feuchtigkeit. Messungen in Wiener Altbauten zeigen oft eine extrem niedrige Luftfeuchtigkeit, die die Haut regelrecht austrocknen lässt. In dieser Zeit benötigt die Haut nicht nur Feuchtigkeit (hydratisierende Stoffe), sondern vor allem Schutz vor Feuchtigkeitsverlust (okklusive Stoffe). Dies sind reichhaltigere Inhaltsstoffe, die einen schützenden Film auf der Haut bilden.

Hier kommen oft Inhaltsstoffe ins Spiel, die in anderen Kontexten kritisch gesehen werden, wie Silikone oder bestimmte Polymere. Sie bilden eine semi-permeable Schicht, die den transepidermalen Wasserverlust reduziert, ohne die Haut komplett „abzudichten“. Eine interessante, aber kontroverse Gruppe von Stoffen sind PFAS.
Fallstudie: PFAS in Winterkosmetik
Der Konsumentenschutz der AK Oberösterreich fand PFAS-Verbindungen in 15 Kosmetikprodukten, darunter reichhaltige Cremes und Make-ups. Diese „Ewigkeits-Chemikalien“ sind aus Umweltsicht höchst problematisch. In Kosmetik werden sie eingesetzt, um die Konsistenz zu stabilisieren und einen langanhaltenden, schützenden Film zu erzeugen – eine Eigenschaft, die für den Winterschutz attraktiv ist. Dies ist ein perfektes Beispiel für den Konflikt zwischen unmittelbarer Produktleistung und langfristiger Umwelt- und Gesundheitsverantwortung. Das Österreichische Umweltzeichen garantiert übrigens PFAS-freie Produkte.
Für eine effektive und sichere Winterpflege-Strategie kombinieren Sie am besten mehrere Ansätze:
- Reichhaltigere Cremes verwenden: Tauschen Sie Ihre leichte Sommerlotion gegen eine Creme mit einem höheren Anteil an Lipiden wie Sheabutter, Ceramiden oder Squalan.
- „Layering“ anwenden: Tragen Sie unter Ihrer Tagescreme ein hydratisierendes Serum (z.B. mit Hyaluronsäure) auf, um Feuchtigkeit in der Haut zu binden.
- Sanfte Reinigung beibehalten: Verwenden Sie im Winter erst recht keine austrocknenden Reinigungsprodukte. Ein Reinigungsöl oder -balsam ist eine gute Wahl.
- Luftfeuchtigkeit erhöhen: Ein Luftbefeuchter in den Wohn- und Schlafräumen kann einen enormen Unterschied für Haut und Schleimhäute machen.
Die richtige Winterpflege ist also eine Balance aus Feuchtigkeitszufuhr und dem Schutz vor Feuchtigkeitsverlust, idealerweise mit Inhaltsstoffen, die sowohl wirksam als auch unbedenklich für Gesundheit und Umwelt sind.
Beginnen Sie noch heute damit, diese analytische Denkweise bei Ihrem nächsten Einkauf anzuwenden. Nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit, drehen Sie das Produkt um und wenden Sie die Ampel-Methode an. So werden Sie schrittweise zu einem selbstbestimmten Konsumenten, der sich nicht mehr von Marketing-Slogans, sondern von Fakten leiten lässt.
Häufige Fragen zu schädlichen Inhaltsstoffen in Kosmetik
Was sind subtile Anzeichen einer Hautunverträglichkeit?
Spannungsgefühl nach dem Waschen, Make-up das sich ‚abrollt‘, unerklärliche fahle Haut im Winter oder verstärkte Reaktionen bei Pollenflug können auf eine gestörte Hautbarriere hinweisen.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Bei anhaltenden Hautausschlägen oder wiederkehrenden Reaktionen sollten Sie einen Dermatologen aufsuchen, um den auslösenden Inhaltsstoff zu identifizieren.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Überreizung und Allergie?
Eine Überreizung tritt meist sofort auf und klingt bei Produktverzicht ab, während allergische Reaktionen auch verzögert auftreten und sich bei wiederholtem Kontakt verstärken können.