Veröffentlicht am Februar 15, 2024

Die weitverbreitete Annahme, die Wintersonne in Österreich sei harmlos, ist ein gefährlicher Irrtum, der zu vorzeitiger Hautalterung und erhöhtem Hautkrebsrisiko führt.

  • Die Kombination aus Schnee und Höhenlage kann die UV-Belastung im Vergleich zu einem Sommertag in der Stadt mehr als verdoppeln.
  • Schädliche UVA-Strahlen dringen das ganze Jahr über durch Fensterglas und stellen eine unsichtbare Gefahr im Büro oder Auto dar.

Empfehlung: Behandeln Sie Sonnenschutz im Winter nicht als Option, sondern als eine medizinische Notwendigkeit für Ihre Hautgesundheit. Tägliche Anwendung ist eine unumgängliche Vorsorgepflicht.

Ein strahlend blauer Himmel über den Zillertaler Alpen, frisch gefallener Pulverschnee, der unter den Skiern knirscht – für viele Österreicherinnen und Österreicher ist das der Inbegriff eines perfekten Wintertages. Die Kälte in der Luft vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, die Sonne scheint sanft und wärmt kaum. Doch genau in dieser trügerischen Idylle lauert eine der am meisten unterschätzten Gefahren für unsere Haut. Als alpiner Dermatologe sehe ich täglich die Folgen dieses Irrglaubens in meiner Praxis: tiefe Falten, hartnäckige Pigmentflecken und leider auch Hautkrebs an Stellen, die jahrelang vernachlässigt wurden.

Die gängigen Ratschläge wie „Im Winter reicht eine Tagescreme“ oder „Nur in den Bergen braucht man Schutz“ sind nicht nur veraltet, sie sind grob fahrlässig. Wir sprechen hier nicht von der sanften Sonne eines norddeutschen Winters. Wir sprechen vom österreichischen Winter – einem einzigartigen „alpinen Strahlungs-Cocktail“ aus direkter Sonneneinstrahlung, extremer Reflexion durch den Schnee und einer mit jedem Höhenmeter intensivierten Strahlungsdosis. Selbst in den Städten wie Wien oder Graz lauert die „stille UVA-Falle“ hinter Büro- und Autoscheiben und arbeitet unbemerkt an der Alterung Ihrer Haut.

Die wahre Frage ist also nicht, *ob* Sie Schutz brauchen, sondern *wie* Sie ihn mit dermatologischer Präzision anwenden, um den spezifischen Risiken unseres Landes gerecht zu werden. Es geht darum, die Physik der UV-Strahlung zu verstehen, die richtigen Filter für den Sport auszuwählen, die vergessenen Risikozonen am eigenen Körper zu kennen und die Schutzbarriere lückenlos aufrechtzuerhalten.

Dieser Artikel ist Ihr dringender Weckruf und zugleich Ihr präziser Leitfaden. Wir werden die wissenschaftlichen Fakten hinter der Wintersonnengefahr beleuchten und Ihnen konkrete, praxiserprobte Strategien an die Hand geben, um Ihre Haut effektiv und nachhaltig zu schützen. Betrachten Sie es als Ihr persönliches dermatologisches Briefing für den österreichischen Winter.

Warum verstärkt Schnee die UV-Belastung um bis zu 80%?

Die winterliche Strahlungsbelastung im alpinen Raum Österreichs ist ein Phänomen der Physik, das oft drastisch unterschätzt wird. Während Wolken und die tiefere Position der Sonne die gefühlte Intensität mindern, wirken zwei Faktoren als massive Verstärker. Erstens: die Höhe. Mit jedem 1.000 Höhenmeter, den Sie aufsteigen – sei es beim Skifahren am Arlberg oder beim Wandern am Dachstein – nimmt die Intensität der UV-Strahlung um etwa 15 Prozent zu. Die schützende Atmosphäre wird dünner und filtert weniger aggressive Strahlen.

Zweitens, und das ist der entscheidende Faktor: die Reflexion durch Schnee. Eine frische, weisse Schneedecke wirkt wie ein riesiger Spiegel. Anders als eine Wiese im Sommer, die nur etwa 3 % der UV-Strahlen zurückwirft, katapultiert Schnee die Belastung in eine völlig neue Dimension. Laut dem Österreichischen Touristenklub werden 50 bis 80 % der UV-Strahlen von Schnee reflektiert. Das bedeutet, dass Ihre Haut nicht nur von oben, sondern auch von unten, von den Seiten und aus allen Winkeln bestrahlt wird. Ihr Kinn, die Unterseite Ihrer Nase und Ihre Ohren sind plötzlich direkter Strahlung ausgesetzt.

Dieser Effekt führt dazu, dass der UV-Index an einem sonnigen Wintertag im Hochgebirge die Werte eines Hochsommertages im Flachland leicht übersteigen kann. Während in Wien im Sommer ein UV-Index von 8 als hoch gilt, sind solche Werte im Winter auf dem Gletscher keine Seltenheit. Sie setzen sich also einer doppelten Dosis aus direkter und reflektierter Strahlung aus. Ein LSF 50+ ist hier keine Empfehlung mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit, um akuten Sonnenbrand und langfristige DNA-Schäden zu verhindern.

Wie frischen Sie den LSF auf, ohne die Foundation zu zerstören?

Einen Sonnenschutz am Morgen aufzutragen ist die eine Sache. Ihn jedoch während eines Skitages oder eines Stadtbummels effektiv aufzufrischen, ohne das Make-up zu ruinieren, ist für viele die grösste Hürde. Die dermatologische Regel ist unmissverständlich: Ein Lichtschutzfaktor wirkt nur für etwa zwei bis drei Stunden zuverlässig, danach muss nachgelegt werden – besonders bei Schwitzen oder Reibung durch Mütze und Schal. Das Reiben mit einer klebrigen Creme über die Foundation ist dabei keine Option.

Glücklicherweise bietet die moderne Kosmetik elegante Lösungen, die Schutz und Ästhetik vereinen. Die Technik ist hier entscheidend: Klopfen statt Reiben ist das oberste Gebot. Produkte in Form von Sprays, Pudern oder Sticks sind ideal für die Anwendung unterwegs und passen in jede Jackentasche. Diese Methoden erlauben es, die Schutzschicht zu erneuern, ohne die darunterliegende Make-up-Schicht zu verschieben oder zu verwischen.

Für eine makellose Auffrischung können Sie auf folgende Produkte zurückgreifen, die in österreichischen Drogerien wie DM oder BIPA leicht erhältlich sind:

  • LSF-Sprays: Aus etwa 20 cm Entfernung mit geschlossenen Augen und Mund auf das Gesicht sprühen. Sie legen sich wie ein feiner, unsichtbarer Nebel über das Make-up.
  • Kompaktpuder mit LSF: Ideal, um den Teint zu mattieren und gleichzeitig den Schutz zu erneuern. Mit einem Pinsel oder Schwämmchen sanft auftupfen.
  • Cushion-Foundations mit hohem LSF: Perfekt, um gezielt Deckkraft und Schutz nachzubessern.
  • Sonnenschutz-Sticks: Optimal für besonders exponierte Partien wie Nase, Wangenknochen und Stirn. Sie ermöglichen eine präzise Anwendung ohne die Hände zu benutzen.
Makroaufnahme von Händen beim sanften Einklopfen von Sonnenschutz über Foundation

Diese Techniken machen Ausreden obsolet. Die Auffrischung des Sonnenschutzes wird so zu einem schnellen und sauberen Handgriff, der sich nahtlos in Ihren Tag integriert. Es ist ein kleiner Aufwand mit maximaler Wirkung für die langfristige Gesundheit und das Aussehen Ihrer Haut.

Welcher Filter brennt nicht in den Augen beim Sport?

Jeder Skifahrer und jede Sportlerin kennt das Problem: Man schwitzt, der Schweiss läuft ins Gesicht und plötzlich brennen die Augen unerträglich. Dieses schmerzhafte Phänomen wird oft durch bestimmte chemische UV-Filter ausgelöst, die in die Augen gelangen und die empfindliche Bindehaut reizen. Die Wahl des richtigen Filtertyps ist daher nicht nur eine Frage der Schutzwirkung, sondern auch des Komforts und der Sicherheit beim Sport. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen zwei Hauptkategorien von Filtern: mineralische und chemische.

Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid wirken wie winzige Spiegel auf der Haut. Sie legen sich auf die Oberfläche und reflektieren die UV-Strahlen, ohne in die Haut einzudringen. Da sie nicht mit dem Schweiss emulgieren und eine grössere Molekülstruktur haben, ist das Risiko, dass sie in die Augen laufen und Brennen verursachen, äusserst gering. Sie sind die erste Wahl für empfindliche Haut, Kinder und eben für schweisstreibende Aktivitäten. Ihr einziger Nachteil war früher ein sichtbarer weisser Film („Weisseln“), doch moderne Formulierungen sind mikronisiert und oft kaum noch sichtbar.

Chemische Filter hingegen dringen in die oberste Hautschicht ein und wandeln UV-Strahlung in Wärme um. Während moderne chemische Filter wie Tinosorb S/M oder Mexoryl 400 als sehr gut verträglich gelten, können ältere Substanzen wie Oxybenzon oder Octinoxat bei Kontakt mit den Augen stark reizen. Für den Sport im Winter sind sie daher weniger geeignet.

Die folgende Tabelle gibt einen klaren Überblick, der Ihnen bei der nächsten Kaufentscheidung in der Apotheke helfen wird:

Vergleich: Chemische vs. Mineralische UV-Filter für empfindliche Augen
Filtertyp Augenbrennen-Risiko Beste Wirkstoffe Empfohlen für
Mineralisch Sehr gering Zinkoxid, Titandioxid Empfindliche Augen, Sport
Moderne chemisch Gering Tinosorb S/M, Mexoryl 400 Täglicher Gebrauch
Ältere chemisch Hoch Oxybenzon, Octinoxat Nicht empfohlen

Die Ohren und der Scheitel: Wo Hautkrebs oft übersehen wird

Bei der täglichen Routine des Eincremens konzentrieren sich die meisten Menschen auf Nase, Wangen und Stirn – die Partien, die am schnellsten Farbe bekommen. Doch aus dermatologischer Sicht sind es gerade die unscheinbaren, oft vergessenen Areale, die zu Hochrisikozonen für die Entwicklung von Hautkrebs werden. Die chronische, über Jahre summierte UV-Belastung an diesen Stellen ist tückisch, da sie lange unbemerkt bleibt. Zu diesen kritischen Zonen gehören insbesondere die Ohren (Vorder- und Rückseite), der Scheitel bei dünner werdendem Haar, der Nacken, die Lippen und die Augenlider.

Gerade beim Wintersport sind die Ohren durch die seitliche und von unten reflektierte Strahlung extrem exponiert. Der obere Rand der Ohrmuschel ist einer der häufigsten Orte für die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen, einer Form des weissen Hautkrebses. Auch der Scheitel, der senkrecht von oben bestrahlt wird, ist besonders gefährdet. Eine Mütze oder ein Helm bieten zwar mechanischen Schutz, doch sobald sie für eine Pause in der Sonne abgenommen werden, ist die Haut schutzlos.

Die gute Nachricht ist, dass die österreichische Hautkrebs-Früherkennung Erfolge zeigt. Dank erhöhter Achtsamkeit überleben heute die meisten Patient:innen selbst die aggressivste Form, das maligne Melanom. Daten der Krebshilfe Österreich belegen jedoch auch einen alarmierenden Anstieg der Neuerkrankungen. Während 1988 noch 928 Menschen die Diagnose Melanom erhielten, waren es 2020 bereits 1.618. Diese Zunahme unterstreicht die unbedingte Notwendigkeit einer lückenlosen Prävention. Der Erfolg der Früherkennung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber es beweist auch, dass die Zahl der Neuerkrankungen steigt, was die Prävention umso wichtiger macht.

Ihr Aktionsplan: Die vergessenen Zonen prüfen

  1. Ohren: Cremen Sie bewusst die gesamte Ohrmuschel ein, einschliesslich der empfindlichen Haut hinter dem Ohr und der Ohrläppchen.
  2. Scheitel & Kopfhaut: Verwenden Sie bei dünnem Haar oder Glatze einen speziellen Kopfhaut-Sonnenschutz (Spray oder Stick) oder tragen Sie konsequent eine Kopfbedeckung.
  3. Lippen: Nutzen Sie täglich einen Pflegestift mit mindestens LSF 30. Die Unterlippe ist besonders anfällig für Sonnenschäden.
  4. Nacken & Haaransatz: Diese Bereiche werden oft übersehen, besonders bei Kurzhaarfrisuren oder wenn die Haare hochgesteckt sind.
  5. Augenlider: Ein mineralischer Sonnenschutz, der nicht in die Augen kriecht, ist hier ideal. Alternativ bietet eine hochwertige Sonnenbrille mit Seitenschutz essenziellen Schutz.

Wie viel Gramm Creme sind nötig, um den angegebenen Schutzfaktor zu erreichen?

Einer der häufigsten und fatalsten Fehler bei der Anwendung von Sonnenschutz ist die Menge. Sie können das teuerste Produkt mit dem höchsten Lichtschutzfaktor verwenden – wenn Sie zu wenig davon auftragen, erreichen Sie niemals die auf der Verpackung angegebene Schutzwirkung. Studien zeigen, dass die meisten Menschen nur 25-50 % der notwendigen Menge verwenden, was den Schutzfaktor drastisch reduziert. Ein LSF 50 wird so schnell zu einem LSF 15 oder weniger.

Die offizielle dermatologische Empfehlung für die Messung des LSF basiert auf einer Auftragsmenge von 2 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Was bedeutet das in der Praxis? Für das Gesicht allein benötigen Sie etwa 1,2 Gramm, was der Länge von Zeige- und Mittelfinger entspricht – die sogenannte „Zwei-Finger-Regel“. Ziehen Sie zwei dicke Linien Creme von der Fingerspitze bis zum Ansatz des Zeige- und Mittelfingers. Diese Menge ist für Gesicht und Hals vorgesehen.

Detailaufnahme von zwei Fingern mit der richtigen Menge Sonnencreme für das Gesicht

Diese Menge mag Ihnen anfangs viel vorkommen. Die Creme sollte jedoch vollständig in die Haut eingearbeitet werden. Wenn Sie das Gefühl haben, es sei zu viel, tragen Sie die Menge in zwei Schichten auf, mit einer kurzen Pause dazwischen. Für den gesamten Körper würde man etwa 30 ml benötigen, was der Menge eines vollen Schnapsglases entspricht. Beim Skifahren ist es besonders wichtig, diese Regel ernst zu nehmen. Laut WetterOnline empfehlen Dermatologen für Gesicht und Nackenbereich etwa einen Esslöffel Sonnencreme, um den Schutz über den Tag hinweg aufrechtzuerhalten, insbesondere beim Nachcremen.

Vergessen Sie die sparsame Anwendung. Bei Sonnenschutz gilt ausnahmsweise: Viel hilft viel. Nur wenn Sie die korrekte Menge auftragen, kann das Produkt seine volle Schutzleistung entfalten und Ihre Haut zuverlässig vor dem aggressiven alpinen Strahlungs-Cocktail bewahren.

Wie schützen Sie sich vor UVA-Strahlung durch Fensterscheiben im Büro oder Auto?

Während UVB-Strahlen, die für den Sonnenbrand verantwortlich sind, von normalem Fensterglas weitgehend blockiert werden, sieht es bei den UVA-Strahlen völlig anders aus. Diese langwelligen Strahlen dringen fast ungehindert durch Glas und sind das ganze Jahr über, vom Morgen bis zum Abend, präsent. Sie sind die Hauptursache für die lichtbedingte Hautalterung (Photoaging), da sie tief in die Haut eindringen und dort das Kollagengerüst schädigen. Dies führt zu Falten, Elastizitätsverlust und Pigmentstörungen. Diese Gefahr ist still und unsichtbar – eine „stille UVA-Falle“ für Pendler, Büroangestellte am Fensterplatz und jeden, der viel Zeit im Auto verbringt.

Die Experten von CeraVe bringen es auf den Punkt, wenn sie die Allgegenwart dieser Strahlung betonen. Ihre Analyse hebt hervor, dass die Intensität von UVA-Strahlen im Winter nur unwesentlich abnimmt und sie somit eine konstante Bedrohung darstellen.

Ganz anders sieht es bei den langwelligen UVA-Strahlen aus, die etwa 95 Prozent und damit den Grossteil der auf die Erde treffenden UV-Strahlen ausmachen. Ihre Intensitätskurve ist insgesamt sehr viel höher und schwächt sich im Winterhalbjahr weniger stark ab. Zudem dringen UVA-Strahlen auch durch dichte Wolken sowie Fenster- und Autoscheiben – sie sind das ganze Jahr über fast ständig präsent.

– CeraVe Dermatologie-Experten, CeraVe Hautpflege-Ratgeber

Der Schutz vor dieser permanenten Belastung muss daher Teil der täglichen Hautpflegeroutine werden, auch wenn man das Haus nicht verlässt. Ein Sonnenschutzprodukt mit einem hohen, explizit ausgewiesenen UVA-Schutz (erkennbar am UVA-Logo im Kreis) ist unerlässlich. Für den Alltag im Büro oder zu Hause genügt oft ein Produkt mit LSF 30, solange es einen robusten UVA-Filter enthält. Ein kleines „Büro-Schubladen-Kit“ kann helfen, den Schutz zur Gewohnheit zu machen:

  • Eine leichte Tagespflege mit LSF 30 für das Gesicht.
  • Eine Handcreme mit LSF, da die Hände am Lenkrad oder auf dem Schreibtisch ebenfalls stark exponiert sind.
  • Ein Lippenpflegestift mit LSF.

Denken Sie daran: Jeder Lichtstrahl, der durch ein Fenster fällt, enthält alternde UVA-Strahlen. Ein konsequenter Schutz ist die beste Investition in die Zukunft Ihrer Haut.

Die Gefahr hinter Glas ist real. Die Strategien zum Schutz vor UVA-Strahlung sollten fester Bestandteil Ihrer täglichen Routine sein, auch an Tagen ohne Outdoor-Aktivitäten.

Welches Serum benötigen Sie wirklich: Vitamin C, Retinol oder Niacinamid?

In der kalten Jahreszeit wird die Hautbarriere durch den ständigen Wechsel zwischen eisiger Aussenluft und trockener Heizungsluft extrem beansprucht. In Kombination mit der intensiven Wintersonne benötigt die Haut gezielte Unterstützung durch Wirkstoffkosmetik. Doch das Angebot an Seren ist überwältigend. Als Dermatologe empfehle ich, sich auf drei Schlüsselwirkstoffe zu konzentrieren, die im Winter synergetisch mit Ihrem Sonnenschutz arbeiten: Vitamin C, Retinol und Niacinamid.

Vitamin C (L-Ascorbinsäure) am Morgen: Der Leibwächter. Vitamin C ist ein potentes Antioxidans. Seine Hauptaufgabe ist es, die freien Radikale zu neutralisieren, die durch UV-Strahlung trotz Sonnenschutz in der Haut entstehen. Tragen Sie ein Vitamin-C-Serum morgens *vor* Ihrer Sonnencreme auf. Es wirkt wie eine zweite Verteidigungslinie und verstärkt die Schutzwirkung des LSF. Zudem hemmt es die Melaninproduktion und hilft so, Pigmentflecken vorzubeugen und den Hautton auszugleichen. Es ist der perfekte Partner für jeden Sonnenschutz.

Retinol (Vitamin A) am Abend: Der Nachtschicht-Arbeiter. Retinol ist der Goldstandard für die Zellerneuerung und Kollagenproduktion. Es repariert Sonnenschäden, glättet feine Linien und verbessert die Hautstruktur. Wichtig: Retinol wird ausschliesslich abends angewendet, da es die Haut lichtempfindlicher macht. Eine Anwendung am Tag, besonders im alpinen Winter, wäre kontraproduktiv und würde das Risiko für Sonnenschäden sogar erhöhen. Im Winter, wenn die generelle UV-Belastung (im Alltag, nicht auf der Piste) geringer ist, ist ein guter Zeitpunkt, um mit einer niedrig dosierten Retinol-Routine zu beginnen. Tagsüber ist ein hoher LSF dann aber absolute Pflicht.

Niacinamid (Vitamin B3) morgens und/oder abends: Der Architekt. Niacinamid ist der Allrounder für eine starke Hautbarriere. Es stärkt die Schutzfunktion der Haut, reduziert Rötungen, reguliert die Talgproduktion und spendet Feuchtigkeit. Eine robuste Hautbarriere ist im Winter essenziell, um dem Stress durch Kälte und UV-Strahlung standzuhalten. Niacinamid kann sowohl morgens (vor dem Vitamin C) als auch abends verwendet werden und ist extrem gut verträglich. Es ist die ideale Basis-Pflege, um die Haut widerstandsfähiger zu machen.

Die gezielte Auswahl von Wirkstoffen ist ein zentraler Aspekt der modernen Hautpflege. Das Wissen um die spezifische Funktion dieser Seren ermöglicht es Ihnen, Ihre Haut optimal zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verstärktes Risiko: Der österreichische Winter birgt durch die Kombination aus Höhenlage und Schneereflexion eine UV-Gefahr, die oft die eines Sommertages übersteigt.
  • Unsichtbare Gefahr: Langwellige UVA-Strahlen dringen durch Fensterglas und sind eine ganzjährige Ursache für Hautalterung, auch im Büro oder Auto.
  • Präzision bei der Anwendung: Der Schutzfaktor ist nur dann wirksam, wenn die korrekte Menge („Zwei-Finger-Regel“) aufgetragen und alle exponierten Stellen (Ohren, Scheitel, Lippen) bedacht werden.

Wie finden Sie den perfekten Foundation-Ton ohne Tageslicht im Geschäft?

Die Suche nach der perfekten Foundation-Farbe im Winter ist eine besondere Herausforderung. Das künstliche Licht in Parfümerien und Drogeriemärkten verfälscht die Farben, und das fehlende Tageslicht draussen macht eine Beurteilung fast unmöglich. Hinzu kommt, dass der Hautton im Winter oft blasser ist als im Rest des Jahres, aber durch kurze Skiurlaube schnell wieder eine leichte Bräune bekommen kann. Eine präzise Farbwahl erfordert daher eine strategische Vorgehensweise.

Der erste und wichtigste Schritt ist, die Foundation niemals am Handgelenk zu testen. Die Haut dort hat einen völlig anderen Ton als Ihr Gesicht. Tragen Sie Teststreifen immer direkt am Kieferrand auf. Der Ton, der nahtlos mit Ihrem Hals verschmilzt, ist der richtige. Warten Sie nach dem Auftragen unbedingt 10 Minuten, da viele Foundations an der Luft nachdunkeln (oxidieren). Was im ersten Moment perfekt aussieht, kann nach kurzer Zeit zu dunkel oder orange-stichig sein.

Da eine direkte Entscheidung im Geschäft oft schwierig ist, fragen Sie gezielt nach Proben. In österreichischen Parfümerien wie Marionnaud oder Douglas ist dies in der Regel kein Problem. So können Sie die Foundation zu Hause bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen testen. Eine weitere clevere Strategie ist die Nutzung von Technologie: Apps wie „Slapp“ oder „Findation“ helfen dabei, auf Basis einer bereits passenden Foundation den korrekten Ton bei anderen Marken zu finden. Im Winter kann es auch sinnvoll sein, zwei Nuancen zu besitzen: eine für die blasse Winterhaut und eine etwas dunklere, die man beimischen kann, sobald man etwas Farbe bekommen hat. Achten Sie bei der Wahl zudem darauf, eine Foundation mit integriertem LSF 15-30 zu bevorzugen, um eine Basisschutzschicht für den Alltag zu gewährleisten.

Diese integrierten Lichtschutzfaktoren in Tagescremes oder Foundations sind eine gute Grundlage für kurze Aufenthalte im Freien, wie das Helios Gesundheitsmagazin empfiehlt. Für längere Exposition, insbesondere im alpinen Raum, ersetzen sie jedoch keinesfalls einen dedizierten, hochdosierten Sonnenschutz.

Machen Sie den Sonnenschutz zu Ihrer täglichen Routine, nicht nur zur Ausnahme. Ihre Hautgesundheit in den kommenden Jahrzehnten hängt von den Entscheidungen ab, die Sie heute treffen. Handeln Sie jetzt.

Geschrieben von Sophie Altenburger, Promovierte Pharmazeutin und Apothekerin in Graz mit Spezialisierung auf dermatologische Rezepturen. Seit 12 Jahren berät sie Kunden zu Inhaltsstoffen, Hautbarriere-Stärkung und medizinischer Hautpflege.