
Entgegen der landläufigen Meinung ist ein Nagelhärter keine Reparatur, sondern oft nur ein temporärer „Panzer“, der bei falscher Anwendung zu brüchigeren Nägeln und einer Abhängigkeit führen kann.
- Formaldehyd-Härter schaffen eine harte, aber unflexible Schicht, die den Nagel darunter spröde machen kann.
- Echter, nachhaltiger Nagelaufbau kommt von innen (Nährstoffe) und durch Wirkstoffe, die in die Nagelstruktur eindringen (z.B. Silizium, Keratin).
Empfehlung: Setzen Sie Härter strategisch als kurzfristige Kur und Schutzschild ein, aber fokussieren Sie sich auf nährende Öle und eine strukturaufbauende Pflege für langfristig gesunde Nägel.
Papierdünne Nägel, die bei der kleinsten Belastung einreissen oder splittern – ein frustrierendes Problem, für das Nagelhärter als die schnelle Lösung vermarktet werden. Die Versprechen sind gross: steinhart, unzerbrechlich, sofortige Wirkung. Doch viele Frauen, die diese Produkte verwenden, berichten von einem beunruhigenden Phänomen: Sobald sie den Härter absetzen, scheinen die Nägel noch schlechter zu sein als zuvor. Es entsteht eine Art Abhängigkeit, die den Griff zur Lackflasche zur ständigen Notwendigkeit macht.
Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf die binäre Wahl zwischen Produkten mit oder ohne Formaldehyd. Doch diese Sichtweise ist zu kurz gegriffen. Sie ignoriert die grundlegende Mechanik des Nagels und den fundamentalen Unterschied zwischen einer oberflächlichen Versiegelung und einem echten, tiefenwirksamen Aufbau. Was, wenn die wahre Lösung nicht darin liegt, den Nagel mit einem harten Lack zu „panzern“, sondern darin, seine innere Struktur gezielt zu nähren und seine natürliche Flexibilität zu erhalten? Was, wenn das vielgepriesene Nagelöl nicht nur eine nette Ergänzung, sondern der entscheidende Gegenspieler zur Härte ist?
Dieser Artikel durchbricht den Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung. Wir agieren als kritische Produkttester und analysieren, was wirklich im Fläschchen steckt. Wir erklären den Mechanismus hinter der Wirkung von Formaldehyd, zeigen, wie lange eine Kur wirklich dauern sollte, und decken auf, welche Inhaltsstoffe einen nachhaltigen Strukturaufbau leisten. Zudem leiten wir Sie an, die Ursache Ihrer Nagelprobleme zu diagnostizieren – denn nicht immer ist der Lack die Antwort. So erlangen Sie die Kontrolle zurück und treffen fundierte Entscheidungen für langfristig gesunde und widerstandsfähige Nägel, statt sich in einer Abhängigkeitsfalle wiederzufinden.
In diesem Leitfaden finden Sie eine detaillierte Analyse, die Ihnen hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf, um Ihnen ein vollständiges Verständnis der Thematik zu vermitteln – von den Inhaltsstoffen bis zur korrekten Anwendung.
Inhaltsverzeichnis: Der analytische Weg zu starken Nägeln
- Warum macht Formaldehyd Nägel zwar hart, aber spröde?
- Wie lange sollten Sie eine Härter-Kur maximal durchführen?
- Welcher Wirkstoff baut den Nagel wirklich auf?
- Wann ist ein Nahrungsergänzungsmittel effektiver als Lack?
- Wie schützt der Härter als „Schild“ beim Putzen?
- Wie wenden Sie Nagelöl an, um eingerissene Nagelhaut dauerhaft zu heilen?
- Wie erkennen Sie schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ohne Chemie-Studium?
- Welches Shampoo hilft wirklich gegen schnell fettende Ansätze und trockene Spitzen?
Warum macht Formaldehyd Nägel zwar hart, aber spröde?
Formaldehyd ist in der Welt der Nagelhärter der umstrittene Klassiker. Seine Wirkung ist unbestreitbar schnell und effektiv: Es vernetzt die Keratinproteine in der Nagelplatte, was zu einer sofortigen Verhärtung führt. Man kann sich das wie das Weben eines extrem dichten Netzes auf der Nageloberfläche vorstellen. Dieser „Panzer-Effekt“ macht den Nagel widerstandsfähiger gegen Stösse von aussen. Doch genau hier liegt das Problem: Diese künstlich erzeugte Härte ist starr. Ein gesunder Nagel braucht jedoch ein gewisses Mass an Flexibilität, um nicht zu brechen. Das Formaldehyd raubt ihm diese Elastizität.
Die Folge ist ein paradoxer Zustand: Der Nagel fühlt sich zwar hart an, wird aber gleichzeitig spröde und brüchig. Wie ein trockenes Stück Plastik bricht er bei Biegung, anstatt sich leicht zu wölben. Dies erklärt, warum viele Anwenderinnen nach Absetzen des Produkts über noch schlimmere Nagelprobleme klagen. Der Nagel unter dem „Panzer“ wurde nicht aufgebaut, sondern in seiner natürlichen Struktur gestört. Die EU-Kosmetikverordnung regelt den Einsatz streng: Sie erlaubt zwar eine maximale Konzentration von 5% in Nagelhärtern, aber die Wirkung auf die Nagelqualität bleibt rein mechanisch und temporär.

Diese mikroskopische Ansicht der Nagelstruktur zeigt die komplexen Schichten aus Keratinfasern. Formaldehyd-Härter wirken primär an der Oberfläche dieser Struktur, indem sie die Proteine verketten. Sie dringen jedoch nicht tief ein, um die Qualität der neu wachsenden Nagelplatte zu verbessern. Das ist der Kern der „Abhängigkeitsfalle“, wie sie die Beauty-Bloggerin Magi in ihrer Erfahrung mit Microcell 2000 beschreibt: Die Nägel sind nur so lange stark, wie das Produkt angewendet wird. Sobald die Anwendung reduziert wird, kehrt die ursprüngliche Schwäche zurück, da keine nachhaltige Verbesserung stattgefunden hat. Der Lack überdeckt das Problem nur, anstatt es an der Wurzel zu lösen.
Wie lange sollten Sie eine Härter-Kur maximal durchführen?
Ein Nagelhärter, insbesondere einer auf Formaldehyd-Basis, sollte niemals als Dauerlösung verstanden werden. Er ist ein Spezialwerkzeug für einen begrenzten Zeitraum – eine Art Intensivtraining für den Nagel. Die allgemeine Empfehlung von Experten lautet, eine solche Kur nicht länger als drei bis vier Wochen am Stück durchzuführen. In dieser Zeit wird der Lack ein- bis zweimal wöchentlich aufgetragen, um einen initialen Schutz aufzubauen und den Nagel vor dem Einreissen zu bewahren, während er nachwächst.
Am gesündesten ist eine 3-4 Wochen-Kur, in der ein- bis zweimal wöchentlich die Pflege-Politur aufgetragen wird.
– Beauty-Expertin, Beautypunk Beauty-Tipp
Nach dieser initialen Phase ist eine Pause absolut entscheidend. Hier beginnt die Phase der Regeneration und Pflege. Anstatt den Nagel weiter zu „panzern“, wird er nun mit reichhaltigen Nagelölen genährt, um die durch den Härter verlorene Flexibilität zurückzugeben. Nach der Pause kann die Anwendung des Härters stark reduziert werden, etwa auf einmal pro Woche oder sogar nur alle zwei Wochen, um den erreichten Zustand zu erhalten, ohne den Nagel erneut zu überlasten. Wichtig ist dabei die präzise Anwendung: Der Härter sollte primär auf die vordere, anfälligere Nagelpartie aufgetragen werden, während der Nagelansatz (die Matrix, wo der neue Nagel gebildet wird) ausgespart bleibt, um das Wachstum nicht zu stören.
Ihr Fahrplan: 3-Wochen-Kur mit Entwöhnungsplan
- Woche 1-3 (Aufbauphase): Tragen Sie den Nagelhärter ein- bis zweimal wöchentlich auf. Konzentrieren Sie sich dabei auf die vordere Hälfte des Nagels.
- Woche 4-6 (Regenerationspause): Setzen Sie den Härter komplett aus. Pflegen Sie Nägel und Nagelhaut täglich intensiv mit Nagelöl.
- Ab Woche 7 (Erhaltungsphase): Reduzieren Sie die Anwendung auf maximal einmal pro Woche, um den Schutz zu erhalten.
- Nach 2 Monaten (Reduzierte Frequenz): Dehnen Sie die Anwendungsintervalle auf alle zwei Wochen aus. Beobachten Sie Ihre Nägel genau.
- Kontinuierliche Beobachtung: Werden Ihre Nägel wieder spröde oder hart, verlängern Sie die Pflegepausen und reduzieren Sie die Härter-Anwendung.
Welcher Wirkstoff baut den Nagel wirklich auf?
Während Formaldehyd eine oberflächliche Versiegelung schafft, gibt es Wirkstoffe, die einen echten Strukturaufbau von innen heraus fördern. Diese dringen tiefer in die Nagelplatte ein und liefern die Bausteine, die für eine gesunde und widerstandsfähige Keratinstruktur notwendig sind. Der wichtigste Unterschied: Sie „nähren“ den Nagel, anstatt ihn nur zu „panzern“. Zu diesen aufbauenden Wirkstoffen gehören vor allem Silizium, Calcium, Keratin-Peptide und Biotin, wenn sie topisch angewendet werden. Silizium beispielsweise ist ein essentielles Spurenelement für die Bildung von Keratin und Kollagen und verbessert die Festigkeit und Elastizität des Nagels nachhaltig.
Produkte, die auf diese Wirkstoffe setzen, werden oft als „Nagelkräftiger“ (Nail Strengthener) statt als „Nagelhärter“ (Nail Hardener) bezeichnet. Ihre Wirkung ist langsamer, aber dafür dauerhafter. Sie lösen nicht die typische Abhängigkeitsfalle aus. Ein gutes Beispiel für eine formaldehydfreie Alternative ist der Alessandro Spa Sensitive Nail Hardener, der in Österreich bei DM oder BIPA erhältlich ist. Solche Produkte sind ideal für die langfristige Pflege nach einer kurzen, intensiven Härter-Kur oder für Personen, die Formaldehyd grundsätzlich meiden möchten.
Die folgende Tabelle verdeutlicht die fundamentalen Unterschiede in der Wirkungsweise und im Langzeiteffekt der verschiedenen Ansätze.
| Wirkstofftyp | Beispiele | Wirkungsweise | Langzeiteffekt |
|---|---|---|---|
| Oberflächliche Härter | Formaldehyd, Nitrocellulose | Versiegelung der Oberfläche | Temporär, Abhängigkeit möglich |
| Strukturaufbauende Kräftiger | Silizium, Calcium, Keratin-Peptide, Biotin | Nährung von innen heraus | Nachhaltige Stärkung |
| Bio-Nagelhärter | Schellack, Ätherische Öle | Natürliche Versiegelung | Schonend, langsamer Aufbau |
Wann ist ein Nahrungsergänzungsmittel effektiver als Lack?
Wenn trotz sorgfältiger Pflege und der richtigen Lacke alle Nägel durchgehend weich, brüchig oder splitternd bleiben, liegt die Ursache oft tiefer. Ein Nagellack kann nur ein lokales Problem an der Nageloberfläche behandeln. Wenn aber eine systemische Ursache, also ein Nährstoffmangel im Körper, vorliegt, ist jeder Lack nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Typische Anzeichen für ein systemisches Problem sind, wenn nicht nur ein oder zwei Nägel, sondern alle betroffen sind und zusätzlich Symptome wie brüchiges Haar oder Haarausfall auftreten.
In diesem Fall ist ein Nahrungsergänzungsmittel weitaus effektiver als jeder Lack. Bevor Sie jedoch wahllos zu Pillen greifen, ist eine ärztliche Abklärung entscheidend. Ein einfacher Bluttest beim praktischen Arzt, dessen Kosten oft von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) übernommen werden, kann Mängel an wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Zink oder Biotin aufdecken. Besonders Biotin (Vitamin H) ist für den Aufbau von Keratin unerlässlich. Experten empfehlen eine Tagesdosis von 30-60 Mikrogramm Biotin für gesunde Nägel. Neben Nahrungsergänzungsmitteln kann auch eine optimierte Ernährung helfen: Avocados, Nüsse und Eier sind reich an Biotin, während Rindfleisch und Linsen gute Zinklieferanten sind.

Die Entscheidung zwischen externer Pflege und interner Versorgung ist also eine Frage der Diagnose. Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei einer ersten Selbsteinschätzung.
Checkliste: Lokales vs. Systemisches Nagelproblem?
- Analyse des Problems: Sind nur 1-2 Nägel betroffen oder alle zehn? Ein lokales Problem deutet auf mechanische Belastung hin, ein generelles auf eine innere Ursache.
- Weitere Symptome prüfen: Leiden Sie gleichzeitig unter brüchigen Haaren oder Haarausfall? Dies ist ein starkes Indiz für ein systemisches Problem.
- Ärztliche Abklärung: Bei Verdacht auf eine systemische Ursache, vereinbaren Sie einen Termin für ein Blutbild beim Hausarzt (in Österreich oft eine Kassenleistung der ÖGK).
- Gezielte Nährstoffzufuhr: Bei bestätigtem Mangel, ergänzen Sie gezielt mit Biotin (30-60 μg/Tag), Eisen oder Zink nach ärztlicher Anweisung.
- Ernährung optimieren: Integrieren Sie bewusst nährstoffreiche Lebensmittel wie Avocados, Nüsse, Eier (Biotin) sowie Linsen und Rindfleisch (Zink) in Ihren Speiseplan.
Wie schützt der Härter als „Schild“ beim Putzen?
Eine der nützlichsten, aber oft missverstandenen Funktionen eines Nagelhärters ist seine Rolle als temporärer Schutzschild. Jeder Nagellack, ob Härter oder Farblack, bildet eine hydrophobe Barriere. Das bedeutet, er weist Wasser ab. Diese Eigenschaft ist besonders wertvoll bei Hausarbeiten wie Putzen oder Abwaschen. Wenn ein ungeschützter Nagel mit Wasser in Kontakt kommt, saugt er es auf wie ein Schwamm, quillt auf und wird weich und biegsam. Nach dem Trocknen zieht er sich wieder zusammen. Dieser ständige Wechsel von Aufquellen und Schrumpfen belastet die Keratinstruktur enorm und ist eine der Hauptursachen für splitternde Nägel.
Ein Nagelhärter versiegelt die Oberfläche und minimiert diese Wasseraufnahme. Er agiert als „Regenmantel“ für den Nagel. Der mechanische Schutz vor Stössen ist zwar begrenzt, aber der Schutz vor Wasser ist signifikant. Trotzdem gibt es eine klare Hierarchie des Schutzes. Wie Experten betonen, ist selbst der beste Schutzlack im Haushalt weniger wirksam als ein einfaches Paar Haushaltshandschuhe. Die Handschuhe bieten nicht nur perfekten Schutz vor Wasser, sondern auch vor den aggressiven Chemikalien in Reinigungsmitteln, die den Nagel und die Nagelhaut zusätzlich austrocknen.
Tragen Sie Handschuhe, wenn Sie mit Wasser oder Chemikalien arbeiten.
– desiderm Germany, Spezial Nagelhärter Anwendungshinweise
Die smarteste Strategie ist daher eine Kombination: Tragen Sie den Nagelhärter als Basisschutz und ziehen Sie bei allen Tätigkeiten im Wasser zusätzlich Handschuhe an. So nutzen Sie den Härter für das, was er am besten kann – als hydrophobe Barriere –, während die Handschuhe den groben Schutz vor Chemikalien und übermässiger Feuchtigkeit übernehmen. Dies ist eine weitaus effektivere Methode, um die Nägel im Alltag zu schonen, als sich allein auf die Wirkung eines Lacks zu verlassen.
Wie wenden Sie Nagelöl an, um eingerissene Nagelhaut dauerhaft zu heilen?
Nagelöl ist der unverzichtbare Partner jedes Nagelhärters. Während der Härter für Rigidität sorgt, liefert das Öl die essenzielle Flexibilität und Nahrung. Eine harte, aber trockene Nagelplatte bricht leicht, eine harte und gleichzeitig durchfeuchtete Platte ist hingegen widerstandsfähig. Besonders die Nagelhaut, die den Nagel an der Basis versiegelt und schützt, profitiert von täglicher Pflege. Eingerissene, trockene Nagelhaut ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern auch ein Einfallstor für Bakterien.
Die richtige Anwendungstechnik maximiert die Wirkung des Öls. Anstatt es nur aufzutupfen, sollten Sie es aktiv einmassieren. Erwärmen Sie einen Tropfen Öl zwischen den Fingern und massieren Sie es mit kreisenden Bewegungen für etwa 30 Sekunden pro Nagel in die Nagelhaut und den Nagelmond ein. Dies fördert die Durchblutung und verbessert die Aufnahme der Nährstoffe. Ein Profi-Tipp ist, das Öl auch unter dem freien, weissen Nagelrand aufzutragen. Dort befindet sich das sogenannte Hyponychium, eine natürliche Versiegelung, die das Nagelbett schützt. Wird es gepflegt, verhindert dies das schmerzhafte Einreissen des Nagels von unten.
Témoignage: Die Kraft lokaler Öle aus Österreich
Eine Anwenderin aus Wien berichtet von ihrer Erfahrung: „Ich hatte ewig mit rissiger Nagelhaut zu kämpfen. Seit ich abends einen Tropfen steirisches Kürbiskernöl einmassiere, ist sie komplett verwandelt. Die Antioxidantien und der hohe Vitamin E-Gehalt haben die Risse innerhalb von zwei Wochen geheilt. Im Sommer wechsle ich gerne auf das leichtere Marillenöl aus der Wachau. Beides sind für mich kleine Wundermittel, die ich bei lokalen Produzenten oder auf dem Markt kaufe.“
Etablieren Sie die Ölmassage als tägliches Abendritual. Direkt vor dem Schlafengehen angewendet, kann das Öl über Nacht ungestört einwirken und seine volle Wirkung entfalten. Dies ist der wichtigste Schritt, um die durch Nagelhärter verursachte Sprödigkeit auszugleichen und eine gesunde Balance zwischen Härte und Flexibilität zu schaffen.
Wie erkennen Sie schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ohne Chemie-Studium?
Der Blick auf die INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) auf der Rückseite eines Produkts kann überwältigend sein. Doch mit ein paar Grundregeln können Sie auch ohne Chemiestudium schnell die Spreu vom Weizen trennen. Die wichtigste Regel ist die der absteigenden Reihenfolge: Die Inhaltsstoffe sind nach ihrer Konzentration geordnet. Der an erster Stelle genannte Stoff hat den höchsten Anteil im Produkt, der letzte den geringsten. Dies hilft Ihnen, die Hauptkomponenten eines Produkts sofort zu identifizieren.
Bei Nagelprodukten gibt es eine „rote Liste“ von Inhaltsstoffen, auf die Sie achten sollten. Dazu gehören neben Formaldehyd auch Toluol (ein Lösungsmittel, das die Atemwege reizen kann), DBP (Dibutylphthalat) (ein Weichmacher, der im Verdacht steht, hormonell wirksam zu sein), Formaldehyde Resin (Formaldehydharz) und Kampfer in hohen Konzentrationen. Während viele dieser Stoffe in der EU bereits stark reguliert oder verboten sind, können sie in Produkten aus dem Ausland noch vorkommen. In der EU ist die Kennzeichnung besonders bei Formaldehyd streng: Ab 0,05% muss der Hinweis ‚Enthält Formaldehyd‘ verpflichtend auf dem Produkt stehen. Dieser Hinweis ist Ihr wichtigstes Warnsignal.
Zum Glück müssen Sie diese Arbeit nicht alleine machen. Apps wie CodeCheck oder ToxFox sind in Österreich sehr beliebt und extrem hilfreich. Sie scannen einfach den Barcode des Produkts mit Ihrem Smartphone und erhalten eine sofortige, leicht verständliche Bewertung der Inhaltsstoffe. Die Apps greifen auf umfangreiche Datenbanken zurück und markieren bedenkliche Substanzen farblich. Dies macht den Einkauf zu einer schnellen und informierten Entscheidung und gibt Ihnen die Macht, als bewusster Konsument zu agieren und gezielt Produkte zu wählen, die Ihren Ansprüchen an Sicherheit und Qualität genügen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nagelhärter mit Formaldehyd wirken nur temporär und können durch den „Panzer-Effekt“ die Nägel spröde machen und eine Abhängigkeit erzeugen.
- Eine Härter-Kur sollte maximal 3-4 Wochen dauern, gefolgt von einer intensiven Pflegepause mit Nagelöl, um die Flexibilität zu erhalten.
- Echter, nachhaltiger Strukturaufbau erfolgt durch Wirkstoffe wie Silizium oder Keratin, die den Nagel von innen nähren, oder durch die Behebung systemischer Nährstoffmängel (z.B. Biotin, Zink).
Welches Shampoo hilft wirklich gegen schnell fettende Ansätze und trockene Spitzen?
Das Problem der „Mischhaare“ – fettige Ansätze und trockene, spröde Spitzen – ist weit verbreitet und hat oft eine ähnliche Ursache wie brüchige Nägel: ein Ungleichgewicht in der Pflege. In vielen österreichischen Städten, allen voran Wien, wird das Problem durch das sehr harte, kalkhaltige Wasser noch verschärft. Kalkrückstände lagern sich am Haaransatz ab, beschweren das Haar und lassen es schneller fettig aussehen. Gleichzeitig rauen sie die Schuppenschicht der Haarlängen auf, was zu Feuchtigkeitsverlust, Frizz und trockenen Spitzen führt.
Die Lösung liegt nicht in aggressiven Shampoos, die die Kopfhaut noch mehr austrocknen und die Talgproduktion anregen. Eine effektive, lokale Strategie ist die sogenannte „Saure Rinse“. Nach dem Waschen wird das Haar mit einer Mischung aus einem Teil heimischem Apfelessig und zehn Teilen kaltem Wasser gespült. Die Säure neutralisiert den Kalk, schliesst die aufgeraute Schuppenschicht der Haare und sorgt für Glanz, ohne zu beschweren. Der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen vollständig.
Eine weitere Methode ist das „Reverse Washing“. Dabei wird die Pflegespülung vor dem Shampoo aufgetragen, aber nur in die trockenen Längen und Spitzen. Nach einer kurzen Einwirkzeit wird ein mildes, sulfatfreies Shampoo (z.B. von den in Österreich bei DM und BIPA erhältlichen Marken alverde oder bi good) nur am Ansatz einmassiert und anschliessend alles zusammen ausgespült. So werden die Spitzen gepflegt und geschützt, während der Ansatz gründlich, aber sanft gereinigt wird. Diese Technik verhindert, dass die Längen durch das Shampoo zusätzlich ausgetrocknet werden und der Ansatz durch eine zu reichhaltige Spülung beschwert wird.
Letztendlich ist der Weg zu gesunden Nägeln und Haaren kein Sprint, sondern ein Marathon, der auf Wissen und konsequenter, angepasster Pflege basiert. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Produkte und Routinen kritisch zu hinterfragen und die hier vorgestellten Strategien umzusetzen.
Häufige Fragen zu Nagelhärtern und Nagelpflege
Welche Apps helfen beim Scannen von Inhaltsstoffen in Österreich?
In Österreich sind die Apps CodeCheck und ToxFox am beliebtesten und weit verbreitet. Sie ermöglichen es, durch einfaches Scannen des Produkt-Barcodes eine sofortige und verständliche Bewertung der Inhaltsstoffe zu erhalten und so bedenkliche Substanzen schnell zu identifizieren.
Wie lese ich die INCI-Liste richtig?
Die wichtigste Regel ist die Reihenfolge: Inhaltsstoffe sind nach ihrer Konzentration in absteigender Reihenfolge gelistet. Der Stoff an erster Stelle macht den grössten Anteil aus. So können Sie schnell erkennen, woraus ein Produkt hauptsächlich besteht.
Welche Inhaltsstoffe sollte ich bei Nagelprodukten meiden?
Achten Sie besonders auf Formaldehyd (ab 0,05% deklarationspflichtig), Toluol, DBP (Dibutylphthalat), Formaldehyde Resin (Formaldehydharz) und Kampfer in hohen Konzentrationen. Diese Stoffe gelten als potenziell reizend oder gesundheitlich bedenklich.