
Entgegen dem Mythos geht es nicht um teuer vs. billig, sondern um smarte Formulierungsarchitektur vs. leeres Marketing.
- Die Basis (Wasser, Glycerin) ist oft identisch; der Unterschied liegt in der Qualität der Emulgatoren und der Konzentration echter Wirkstoffe.
- Eine luxuriöse Textur und eine stabile, luftdichte Verpackung (z.B. bei Vitamin C) sind keine Gimmicks, sondern entscheidend für die Wirksamkeit und können einen höheren Preis rechtfertigen.
Empfehlung: Investieren Sie gezielt in Seren mit hochpotenten, instabilen Wirkstoffen von Marken, die auf Produkt-Engineering statt auf teure Tiegel setzen. Bei einfachen Feuchtigkeitscremes und Reinigern reicht oft das Drogerie-Dupe.
Sie stehen vor dem Regal bei Douglas oder in einer Wiener Apotheke, in der einen Hand der schwere, luxuriöse 80-Euro-Tiegel, in der anderen die funktionale 10-Euro-Tube von BIPA. Beide versprechen strahlende Haut und weniger Falten. Dieser Moment der Unsicherheit ist vielen vertraut, zumal eine aktuelle Erhebung zeigt, dass österreichische Haushalte durchschnittlich 237 Euro jährlich für Körperpflege ausgeben. Die Frage ist quälend: Zahlt man für echte Wirksamkeit oder nur für ein aufwändiges Marketingversprechen und eine schwere Verpackung?
Als Produktentwickler in der Kosmetikindustrie kenne ich die Diskussion von innen. Die pauschale Antwort „Teuer ist nicht immer besser“ greift zu kurz. Sie ignoriert die Nuancen, die eine Formulierung entweder zu einem hochwirksamen Instrument oder zu einer überteuerten Feuchtigkeitspflege machen. Es geht nicht nur um einen einzelnen „Wunderwirkstoff“, der auf der Verpackung prangt. Der wahre Wert liegt in der gesamten Formulierungsarchitektur: der intelligenten Kombination aller Inhaltsstoffe, dem sensorischen Erlebnis bei der Anwendung und der Stabilität der Wirkstoffe bis zum letzten Tropfen.
Doch wenn die Basis oft dieselbe ist, wo genau versteckt sich der qualitative Unterschied? Und wie können Sie als kritische Konsumentin diesen Unterschied erkennen, ohne ein Chemiestudium absolviert zu haben? Dieser Artikel bricht mit den üblichen Mythen. Statt Sie mit INCI-Listen allein zu lassen, gebe ich Ihnen die Denkweise eines Insiders an die Hand. Wir werden die Bausteine einer Creme zerlegen, lernen, wie man Texturen richtig bewertet, und klären, wann ein Duplikat eine schlaue Wahl ist – und wann es gefährlich werden kann.
Dieser Leitfaden navigiert Sie durch den Kosmetikdschungel. Sie lernen die entscheidenden Kriterien kennen, um den wahren Wert eines Produktes zu beurteilen und Ihr Geld dort zu investieren, wo es wirklich einen Unterschied für Ihre Haut macht. Machen Sie sich bereit, Preis-Leistungs-Intelligenz zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis: Der Insider-Blick auf teure und günstige Kosmetik
- Warum teure Marken oft die gleichen Basisstoffe verwenden wie günstige?
- Wie testen Sie die Textur eines Luxusprodukts vor dem Kauf richtig?
- Original oder Dupe: Wann sollten Sie beim Serum keine Kompromisse machen?
- Die Gefahr bei „Schnäppchen“-Kosmetik auf Amazon, die Ihre Haut verätzt
- Wie lagern Sie Vitamin-C-Seren, damit sie nicht nach 4 Wochen oxidieren?
- Wie erkennen Sie schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ohne Chemie-Studium?
- Welches Serum benötigen Sie wirklich: Vitamin C, Retinol oder Niacinamid?
- Welches Serum strafft die Gesichtskonturen wirklich ab 40 Jahren?
Warum teure Marken oft die gleichen Basisstoffe verwenden wie günstige?
Der erste Blick auf die INCI-Liste einer 80-€-Creme und eines 10-€-Produkts ist oft ernüchternd: An erster Stelle steht fast immer „Aqua“ (Wasser), gefolgt von „Glycerin“. Das ist kein Betrug, sondern chemische Notwendigkeit. Diese Basis bildet das Fundament, in dem sich alles andere löst und auf die Haut transportiert wird. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht in der Anwesenheit dieser Stoffe, sondern in dem, was danach kommt und wie die gesamte Formulierungsarchitektur aufgebaut ist. Teurere Produkte investieren oft in höherwertige Emulgatoren. Diese sorgen nicht nur dafür, dass Wasser und Öl sich verbinden, sondern beeinflussen massgeblich das Hautgefühl – eine Creme, die seidig einzieht statt einen klebrigen Film zu hinterlassen, verdankt dies oft einem komplexeren Emulgatorsystem.
Ein weiterer Punkt ist die Konzentration und Qualität der eigentlichen Wirkstoffe. Während eine günstige Creme vielleicht mit 0.5% eines generischen Hyaluronsäure-Typs wirbt, könnte eine Luxuscreme 2% eines patentierten Komplexes aus verschieden grossen Hyaluron-Molekülen enthalten, die tiefer in die Haut eindringen. Hier zahlt man für Forschung und eine potenziell höhere Effektivität. Wie der Chemiker und Cosmetic Formulator Marek auf seinem Blog treffend feststellt:
Vom Produktpreis kann man weder auf die Qualität, noch auf die Wirksamkeit von Kosmetikprodukten schliessen.
– Marek, Chemiker und Cosmetic Formulator, MAGIMANIA Beauty Blog
Die folgende Tabelle verdeutlicht, wo die Hauptunterschiede in der Zusammensetzung wirklich liegen, auch wenn die ersten Inhaltsstoffe identisch scheinen. Es sind die feinen Details in der zweiten Hälfte der INCI-Liste, die oft den Preisunterschied ausmachen.
| Inhaltsstoff | Luxuscreme (80€) | Drogeriecreme (10€) | Funktion |
|---|---|---|---|
| Wasser (Aqua) | Platz 1 (40-60%) | Platz 1 (40-60%) | Basis & Lösungsmittel |
| Glycerin | Platz 2-3 | Platz 2-3 | Feuchtigkeitsspender |
| Emulgatoren | Premium-Varianten | Standard-Varianten | Textur & Stabilität |
| Konservierung | Moderne Systeme | Klassische Parabene | Haltbarkeit |
| Wirkstoffe | 1-5% (patentiert) | 0.5-2% (generisch) | Spezifische Wirkung |
Wie testen Sie die Textur eines Luxusprodukts vor dem Kauf richtig?
Das sensorische Erlebnis ist ein zentraler Bestandteil von Luxuskosmetik und ein Faktor, der einen höheren Preis rechtfertigen kann. Eine Creme, die sich wunderbar auftragen lässt, motiviert zur regelmässigen Anwendung – und nur Regelmässigkeit bringt Ergebnisse. Doch das luxuriöse Licht in Parfümerien wie Douglas oder Marionnaud kann täuschen. Ein schneller Test auf dem Handrücken reicht nicht aus, um die wahre Performance einer Textur zu beurteilen. Die Haut im Gesicht hat eine andere Beschaffenheit, andere Bedürfnisse und interagiert anders mit nachfolgenden Produkten wie Make-up.
Der Schlüssel liegt in einem systematischen Test, idealerweise über mehrere Tage mit einer Probe zu Hause. Nur so können Sie beurteilen, ob das Produkt schnell einzieht, ob es einen unangenehmen Film hinterlässt oder – der schlimmste Fall – ob es unter der Foundation zu „Pilling“ (Abrollen in kleinen Röllchen) neigt. Verlassen Sie sich nicht auf den ersten Eindruck unter Kunstlicht.

Die visuelle Beurteilung bei Tageslicht ist entscheidend. Nur hier sehen Sie, ob das Finish wirklich matt, seidig oder doch nur fettig ist. Eine gute Textur unterstützt die Hautbarriere, ohne sie zu versiegeln, und schafft eine perfekte Grundlage für alles, was folgt. Die Investition in ein teures Produkt ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Textur nicht nur luxuriös anfühlt, sondern auch im Alltag perfekt funktioniert.
Ihr Plan für den perfekten Produkttest in österreichischen Parfümerien
- Höflich nach Proben bei Douglas oder Marionnaud fragen – ideal sind 3-Tage-Sachets für Zuhause-Tests.
- Produkt auf der Wange statt nur auf dem Handrücken testen – dort zeigt sich die wahre Textur im Gesicht.
- 10 Minuten warten und dann prüfen, ob das Produkt unter Make-up „Pilling“ (Abrollen) verursacht.
- Das Geschäft verlassen und die Textur bei Tageslicht beurteilen – Parfümerie-Licht täuscht oft über das wahre Finish.
- Mindestens 24 Stunden testen, um mögliche Hautreaktionen und das Langzeit-Finish zu bewerten.
Original oder Dupe: Wann sollten Sie beim Serum keine Kompromisse machen?
Der Markt für „Dupes“ – günstige Duplikate von teuren Kultprodukten – boomt, und österreichische Drogeriemärkte wie DM und BIPA sind voll davon. Grundsätzlich ist das eine positive Entwicklung für Konsumenten. Die EU-Kosmetikverordnung stellt sicher, dass alle in Österreich verkauften Produkte, egal ob 80-€-Original oder 10-€-Dupe, sicher sind und keine schädlichen Stoffe in verbotenen Konzentrationen enthalten. Ein Dupe kann eine exzellente Wahl sein, besonders bei einfachen Produkten wie Feuchtigkeitscremes, Reinigern oder Lippenstiften, bei denen es primär um Farbe und ein angenehmes Gefühl geht.
Fallbeispiel: Sicherheit durch EU-Kosmetikverordnung
Ein „Dupe“ (von englisch „duplicate“) ist eine günstige Kopie eines teuren Markenprodukts, die in Farbe, Textur oder Optik stark ähnelt. Die gute Nachricht für Konsumenten in Österreich: Die strengen Sicherheitsstandards der EU-Kosmetikverordnung gelten für alle Produkte gleichermassen. Das 10-€-Serum von DM oder BIPA durchläuft dieselben Sicherheitsbewertungen wie das 80-€-Luxusprodukt. Sie müssen sich also keine Sorgen um die grundsätzliche Sicherheit machen.
Vorsicht ist jedoch bei hochkonzentrierten Wirkstoff-Seren geboten, insbesondere mit instabilen Inhaltsstoffen wie Vitamin C, Retinol oder bestimmten Peptiden. Hier liegt der Teufel im Detail der Formulierung. Ein Originalprodukt hat oft Jahre der Forschung investiert, um den Wirkstoff so zu stabilisieren und zu verkapseln, dass er auch wirklich in der Haut ankommt und nicht schon im Fläschchen zerfällt. Ein Dupe mag zwar denselben Wirkstoff auf der INCI-Liste führen, aber möglicherweise in einer weniger stabilen Form, mit einer geringeren Bioverfügbarkeit oder ohne die nötigen unterstützenden Inhaltsstoffe. Gerade bei Seren, die ein spezifisches Hautproblem lösen sollen, kann die Investition in das Original mit bewährter Produkt-Engineering-Qualität den entscheidenden Unterschied machen. Eine Analyse von Stiftung Warentest zeigte zwar, dass eine günstige Creme mithalten kann, doch dies gilt nicht pauschal für alle Produktkategorien. So zeigte ein Test, dass bei Gesichtscremes die dm-Creme für 3 Euro genauso gut abschnitt wie das Luxusprodukt für 48 Euro, was den 16-fachen Preisunterschied infrage stellt.
Die Gefahr bei „Schnäppchen“-Kosmetik auf Amazon, die Ihre Haut verätzt
Während Dupes aus dem österreichischen Einzelhandel sicher sind, lauert eine ernsthafte Gefahr auf Online-Marktplätzen wie Amazon, insbesondere bei Angeboten von Drittanbietern. Der Wunsch, ein teures Markenprodukt zum Spottpreis zu ergattern, kann zu schweren Hautschäden führen. Das Problem: Diese Produkte umgehen oft die strengen EU-Importregulierungen. Sie können gefälscht sein, abgelaufen oder – am schlimmsten – Inhaltsstoffe enthalten, die in der EU aus gutem Grund verboten sind. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) warnt explizit vor diesem Risiko.
Produkte aus Asien oder den USA können beispielsweise hohe Konzentrationen von Hydrochinon (ein aggressives Bleichmittel) oder nicht zugelassene Konservierungsstoffe enthalten, die schwere allergische Reaktionen oder sogar chemische Verbrennungen auslösen können. Wie die AGES betont, können in Produkten von Drittanbietern auf Marktplätzen Hydrochinon und andere in der EU verbotene Substanzen gefunden werden. Der vermeintliche Spartipp wird so schnell zum teuren Dermatologenbesuch.
Anstatt riskante Online-Käufe zu tätigen, gibt es in Österreich zahlreiche sichere Wege, um bei hochwertiger Kosmetik zu sparen. Preis-Leistungs-Intelligenz bedeutet, die offiziellen Vertriebskanäle und deren Rabattaktionen zu nutzen. So profitieren Sie von geprüfter Qualität und echten Ersparnissen, ohne Ihre Hautgesundheit aufs Spiel zu setzen.
- BIPA „1+1 gratis“-Aktionen: Regelmässig bei vielen Markenartikeln, was einer Ersparnis von 50% entspricht.
- DM Kundenkarten-Vorteilswelt: Bietet oft 10% Rabatt auf bestimmte Kategorien sowie einen Geburtstagsrabatt.
- Douglas Saisonale Sales: Besonders im Januar und Juli kann man Luxusmarken mit bis zu 30% Rabatt finden.
- Müller Sammelpunkte: Ermöglichen Rabatte auf den gesamten Einkauf, z.B. 5 Euro bei einem Einkaufswert von 50 Euro.
- Amazon.de statt .com: Wenn Sie online bestellen, stellen Sie sicher, dass der Verkäufer und der Versand aus der EU (idealerweise Deutschland/Österreich) erfolgen, um EU-zertifizierte Ware zu erhalten.
Wie lagern Sie Vitamin-C-Seren, damit sie nicht nach 4 Wochen oxidieren?
Vitamin C (L-Ascorbinsäure) ist ein Paradebeispiel für einen hochwirksamen, aber extrem instabilen Wirkstoff. Es ist ein starkes Antioxidans, das die Kollagenproduktion anregt und Pigmentflecken aufhellen kann. Seine Achillesferse: Es zerfällt rasant bei Kontakt mit Licht und Luft. Ein teures Vitamin-C-Serum, das nach wenigen Wochen oxidiert ist – erkennbar an einer deutlichen Gelb- oder Braunfärbung – ist sein Geld nicht mehr wert. Die Wirksamkeit ist verflogen. Hier zeigt sich der wahre Wert von durchdachtem Produkt-Engineering, das weit über den reinen Inhalt hinausgeht.
Die Verpackung ist kein Marketing-Gag, sondern ein integraler Bestandteil der Wirkstoffstabilität. Die klassische Pipettenflasche, obwohl populär, ist für instabile Wirkstoffe wie Vitamin C denkbar ungeeignet. Bei jeder Anwendung gelangt Luft in die Flasche und beschleunigt die Oxidation. Deutlich überlegen sind lichtundurchlässige Airless-Pumpspender. Sie verhindern den Kontakt des Produkts mit Sauerstoff und verlängern die Wirksamkeit erheblich.

Eine Studie bestätigte dies eindrücklich: In einem Test behielten Vitamin-C-Seren in Airless-Pumpspendern ihre Wirksamkeit über 12 Wochen, während identische Formulierungen in Pipettenflaschen schon nach 4 Wochen oxidiert waren. Marken wie The Ordinary oder Paula’s Choice, die für ihre Preis-Leistungs-Intelligenz bekannt sind, setzen deshalb zunehmend auf solche luftdichten Systeme. Zusätzlich zur richtigen Verpackung sollten Sie Ihr Serum immer kühl und dunkel lagern, idealerweise im Kühlschrank, um den Zerfallsprozess weiter zu verlangsamen. Ein höherer Preis ist hier oft eine Investition in eine Formulierung und Verpackung, die garantiert, dass der teure Wirkstoff auch wirklich auf Ihrer Haut ankommt.
Wie erkennen Sie schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ohne Chemie-Studium?
Die INCI-Liste zu entziffern, fühlt sich oft an wie das Lesen einer fremden Sprache. Doch Sie müssen kein Chemiker sein, um die wichtigsten Warnsignale zu erkennen. Das Bewusstsein dafür wächst: Laut Statista 2024 achten fast drei Viertel der Österreicher beim Kosmetikkauf auf die Inhaltsstoffe. Anstatt zu versuchen, jede einzelne Substanz zu verstehen, ist es effektiver, sich auf eine kurze Liste potenziell problematischer Stoffgruppen zu konzentrieren. Die „Fokus-5“-Regel hilft Ihnen, schnell einen ersten Check durchzuführen.
Konzentrieren Sie sich auf diese fünf Kategorien, wenn Sie eine INCI-Liste überfliegen. Finden Sie mehrere davon weit oben auf der Liste, ist das ein Zeichen, genauer hinzusehen oder ein alternatives Produkt in Erwägung zu ziehen, besonders wenn Sie empfindliche Haut haben. Apps wie CodeCheck oder Hautschutzengel können ebenfalls helfen, eine schnelle Einschätzung zu bekommen. Aber auch hier gilt: Nicht jeder als „bedenklich“ eingestufte Stoff ist für jeden Hauttyp problematisch. Es geht darum, eine informierte Entscheidung zu treffen.
Die „Fokus-5“-Regel für einen schnellen INCI-Check:
- Allergene Duftstoffe: Suchen Sie nach den allgemeinen Begriffen „Parfum“ oder „Fragrance“. Wenn Sie empfindlich sind, meiden Sie auch spezifische, deklarationspflichtige Allergene wie Linalool, Limonene, Geraniol oder Citronellol.
- Kritische Konservierungsmittel: Achten Sie auf Methylisothiazolinone (MI) und Methylchloroisothiazolinone (MCI). Sie sind wirksam, aber auch bekannte Auslöser für Kontaktallergien.
- Aggressive Sulfate: Sodium Lauryl Sulfate (SLS) ist ein starkes Reinigungstensid, das die Hautbarriere schwächen und zu Trockenheit und Irritationen führen kann. Es findet sich oft in günstigen Reinigungsprodukten.
- Umstrittene UV-Filter: Chemische Filter wie Oxybenzone (Benzophenone-3) und Octinoxate (Ethylhexyl Methoxycinnamate) stehen in der Kritik, potenziell hormonell wirksam und umweltschädlich zu sein.
- PEGs und Silikone: Polyethylenglykole (PEGs) können die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen. Silikone (erkennbar an Endungen wie -cone, -xane) legen einen Film auf die Haut, der sie zwar weich erscheinen lässt, aber langfristig die Poren verstopfen kann.
Welches Serum benötigen Sie wirklich: Vitamin C, Retinol oder Niacinamid?
Die Wahl des richtigen Serums ist entscheidender als sein Preis. Ein teures Retinol-Serum ist nutzlos, wenn Ihr Hauptproblem Rötungen sind. Anstatt sich von Marken und Preisen leiten zu lassen, sollten Sie von Ihrem Hautproblem ausgehen. Die drei populärsten Wirkstoffe – Vitamin C, Retinol und Niacinamid – sind wie spezialisierte Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben. Es ist wichtig zu verstehen, welches Werkzeug für welches Problem am besten geeignet ist.
Vitamin C ist der Spezialist für den Tag. Es schützt die Haut vor Umweltschäden wie UV-Strahlung und Luftverschmutzung – ein wichtiger Faktor in städtischen Gebieten wie Wien oder Graz – und hilft, Pigmentflecken aufzuhellen. Retinol ist der Goldstandard für die Nacht. Es kurbelt die Zellerneuerung an und ist unschlagbar, wenn es um die Milderung von Falten und die Verbesserung der Hauttextur geht. Niacinamid ist der vielseitige Allrounder: Es stärkt die Hautbarriere, reduziert Rötungen, verfeinert die Poren und reguliert die Talgproduktion. Es ist sehr verträglich und kann sowohl morgens als auch abends verwendet werden.
Besonders bei Retinol ist Vorsicht geboten. Der Österreichische Apothekerverband rät zu einer fundierten Beratung, da eine falsche Anwendung zu starken Irritationen führen kann. Wie der Verband empfiehlt:
Bei Retinol-Produkten empfiehlt sich eine Beratung in österreichischen Apotheken, da dort eine fundiertere, quasi-medizinische Beratung erfolgt.
– Österreichischer Apothekerverband, Empfehlung für sichere Retinol-Anwendung
Die folgende Matrix hilft Ihnen, basierend auf Ihrem Hautproblem schnell den richtigen Wirkstoff zu finden und zeigt, wo Sie diese Produkte in Österreich am besten erhalten.
| Hautproblem | Empfohlener Wirkstoff | Anwendungszeit | Verfügbarkeit in Österreich |
|---|---|---|---|
| Pigmentflecken & Umweltschäden (Wien/Graz) | Vitamin C (10-20%) | Morgens unter SPF | DM, BIPA, Douglas |
| Falten & Textur | Retinol (0.3-1%) | Nur abends | Apotheke empfohlen |
| Rötungen & grosse Poren | Niacinamid (5-10%) | Morgens & abends | Überall erhältlich |
| Kombination aller Probleme | Alle drei in Rotation | Vitamin C morgens, Retinol abends, Niacinamid als Puffer | Beratung in Apotheke |
Das Wichtigste in Kürze
- Der wahre Wert einer Creme liegt in der gesamten Formulierungsarchitektur, nicht nur in einem Wirkstoff.
- Achten Sie auf das sensorische Erlebnis (Textur) und die Wirkstoffstabilität (Verpackung) – hier rechtfertigt sich oft ein höherer Preis.
- Seien Sie smart: Investieren Sie in hochkonzentrierte Seren und sparen Sie bei einfachen Basisprodukten mit sicheren Dupes aus der Drogerie.
Welches Serum strafft die Gesichtskonturen wirklich ab 40 Jahren?
Mit zunehmendem Alter wird der Wunsch nach strafferen Gesichtskonturen lauter. Luxusmarken werben hier mit exotischen und teuren Inhaltsstoffen wie Kaviar-Extrakt, Perlenproteinen oder Trüffel. Diese sollen die Kollagenbildung anregen und die Haut aufpolstern. Auch wenn diese Inhaltsstoffe feuchtigkeitsspendende und glättende Eigenschaften haben können, ist ihre Fähigkeit zur echten, sichtbaren Straffung begrenzt. Als Produktentwickler muss ich hier ehrlich sein: Kein Serum der Welt kann einen chirurgischen Eingriff oder eine professionelle Behandlung ersetzen.
Realistische Erwartungen: Peptide vs. professionelle Behandlungen
Inhaltsstoffe wie Seiden- oder Perlenproteine können die Hautoberfläche glätten und für ein luxuriöses Gefühl sorgen. Wirkstoffe wie Peptide können der Haut signalisieren, mehr Kollagen zu produzieren. Die sichtbaren Ergebnisse einer topischen Anwendung sind jedoch subtil und erfordern monatelange, konsequente Anwendung. Für eine deutliche Straffung der Gesichtskonturen bleiben professionelle Behandlungen wie Microneedling, Radiofrequenz oder Ultraschall in den Praxen österreichischer Dermatologen nach wie vor die weitaus effektivere Methode.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Seren nutzlos sind. Sie sind ein entscheidender Teil der täglichen Routine, um die Ergebnisse professioneller Behandlungen zu erhalten und den Alterungsprozess zu verlangsamen. Anstatt auf ein Wunder zu hoffen, können Sie die Wirkung Ihres straffenden Serums (idealweise eines mit einem Cocktail aus verschiedenen Peptiden) durch eine einfache Technik maximieren: die tägliche Lymphdrainage-Massage. Diese regt den Abtransport von Wassereinlagerungen an, die das Gesicht oft aufgedunsen und die Konturen weicher erscheinen lassen. Eine konsequente, sanfte Massage kann das Gesicht definierter und wacher wirken lassen – ein Effekt, den keine Creme allein erzielen kann.
- Beginnen Sie in der Gesichtsmitte und streichen Sie sanft nach aussen in Richtung der Lymphknoten an den Ohren.
- Üben Sie nur sanften Druck mit den Fingerkuppen aus, niemals an der Haut ziehen oder zerren.
- Massieren Sie die Kinnlinie entlang bis zum Ohr, da sich hier oft Lymphflüssigkeit ansammelt.
- Streichen Sie die Stirn von der Mitte zu den Schläfen aus.
- Schliessen Sie ab, indem Sie sanft vom Ohr den Hals hinunter streichen, um den Abtransport der Lymphe zu unterstützen.
Indem Sie realistische Erwartungen mit intelligenten Produktentscheidungen und unterstützenden Techniken kombinieren, erzielen Sie die besten Ergebnisse für Ihre Haut. Ihre Kaufentscheidung – ob 10 € oder 80 € – wird so zu einer bewussten Investition in die Gesundheit und das Aussehen Ihrer Haut, basierend auf Wissen und nicht auf Marketing.